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Führungsinterview: Luzius Wirth über die Rückkehr der Natur in unseren Alltag
Da Städte weiter wachsen und die Herausforderungen des Klimawandels zunehmend komplexer werden, spielen naturbasierte Lösungen eine immer wichtigere Rolle bei der Schaffung widerstandsfähiger Gemeinschaften.
F: Was hat Ihr Engagement für Nachhaltigkeit inspiriert?
Aufgewachsen in der Schweiz und mit viel Zeit in den Alpen habe ich aus erster Hand erlebt, wie schnell sich unsere natürliche Umwelt verändert. Gletscher, die vor wenigen Jahren noch existierten, sind verschwunden – die Auswirkungen des Klimawandels sind dadurch nicht mehr zu übersehen.
Als Vater denke ich auch darüber nach, welche Welt wir den kommenden Generationen hinterlassen werden. Als sich die Möglichkeit ergab, zu idverde zu wechseln, bot sich mir die Chance, zu etwas mit echtem Sinn beizutragen – indem wir die Natur selbst als Teil der Lösung für die heutigen Umwelt Herausforderungen nutzen.
F: Wie dringend ist der Klimawandel?
Der Klimawandel ist keine zukünftige Herausforderung mehr – er wirkt sich bereits heute auf Gemeinschaften in ganz Europa aus.
Extreme Wetterereignisse, darunter Überschwemmungen und längere Phasen intensiver Niederschläge, treten immer häufiger und mit größerer Stärke auf. Diese Entwicklungen zeigen den wachsenden Bedarf an Landschaften, die Wasser aufnehmen können, Gemeinschaften schützen und sich schneller von Umweltbelastungen erholen.
Naturbasierte Infrastruktur spielt daher eine zunehmend wichtige Rolle beim Aufbau klimaresilienter Lebensräume.
F: Wie trägt idverde dazu bei, widerstandsfähigere Lebensräume zu schaffen?
In ganz Europa arbeiten Tausende idverde-Spezialistinnen und -Spezialisten mit Kommunen, Unternehmen und öffentlichen Organisationen zusammen, um Außenräume zu schaffen und zu pflegen, die langfristigen ökologischen Mehrwert bieten.
Unser Leistungsspektrum reicht von Landschaftsgestaltung und ökologischer Wiederherstellung über nachhaltiges Grünflächenmanagement bis hin zu urbaner Begrünung und Lösungen für das Wassermanagement.
Zunehmend verbinden Projekte gesellschaftlichen Mehrwert mit ökologischer Wirkung – sie schaffen Orte, an denen Menschen Natur erleben können, während gleichzeitig Biodiversität gefördert und die Anpassung an den Klimawandel unterstützt wird.
F: Welche Rolle spielt Innovation?
Innovation ist entscheidend.
Beispielsweise können nachhaltige Entwässerungssysteme dazu beitragen, bestehende Abwassernetze zu entlasten, indem sie den Abfluss von Regenwasser durch natürliche Rückhaltebecken und grüne Infrastruktur verlangsamen. Diese Lösungen verringern das Überschwemmungsrisiko, fördern gleichzeitig die Biodiversität und schaffen attraktive öffentliche Räume.
Innovation bedeutet auch, kontinuierlich neue Ansätze für das Landschaftsmanagement zu entwickeln, die bessere Ergebnisse für Menschen und Umwelt ermöglichen.
F: Wie beeinflusst Nachhaltigkeit Ihre Lieferkette?
Mit dem kontinuierlichen Wachstum von idverde wird Nachhaltigkeit zu einem immer wichtigeren Faktor bei Beschaffungsentscheidungen.
Wir arbeiten eng mit Lieferanten zusammen, die unsere Umweltziele teilen, investieren in emissionsärmere Ausrüstung, elektrifizieren unsere operative Fahrzeugflotte, wo dies möglich ist, und prüfen innovative Technologien, die die Umweltbelastung reduzieren und gleichzeitig hohe Servicestandards gewährleisten.
F: Wie wirken die drei Säulen Ihrer Nachhaltigkeitsstrategie – People, Planet und Performance – zusammen?
Die drei Säulen sind eng miteinander verbunden.
People steht im Mittelpunkt unseres Handelns. Wir investieren in Weiterbildung, Kompetenzentwicklung und Programme, die Menschen dabei unterstützen, in den Arbeitsmarkt einzusteigen oder dorthin zurückzukehren.
Planet steht für unser Engagement, Biodiversität wiederherzustellen, ökologische Widerstandsfähigkeit zu stärken und Kunden dabei zu unterstützen, Natur stärker in urbane Räume zu integrieren.
Performance stellt sicher, dass wir verantwortungsvoll handeln und gleichzeitig innovative Lösungen entwickeln, die langfristigen Mehrwert für Kunden, Gemeinschaften und die Umwelt schaffen.
Gemeinsam prägen diese drei Säulen alle Bereiche der Arbeit von idverde.
F: Beobachten Sie eine steigende Nachfrage nach grüner Infrastruktur?
Auf jeden Fall.
In ganz Europa beobachten wir eine wachsende Nachfrage nach begrünten Dächern, vertikalen Gärten, nachhaltigen Entwässerungssystemen und biodiversitätsorientierter Landschaftsgestaltung.
Da die städtische Bevölkerung weiter wächst, entsteht eine große Chance, mehr Natur in unsere Städte zu integrieren – um gesündere Lebensräume zu schaffen und gleichzeitig die Klimaresilienz zu verbessern.
Kunden dabei zu unterstützen, ökologische Leistung mit praktischen Lösungen zu verbinden, wird zunehmend zu einem wichtigen Bestandteil unserer Aufgabe.
F: Wird Biodiversität für Kunden zu einer größeren Priorität?
Ja, deutlich.
In allen Ländern, in denen idverde tätig ist, erkennen Organisationen zunehmend, dass Biodiversität ein wesentlicher Bestandteil eines langfristig nachhaltigen Umweltmanagements ist.
Projekte wie das ökologische Management des Hafens von Rotterdam zeigen, dass Biodiversität auch in stark industrialisierten Umgebungen durch die Schaffung neuer Lebensräume, ökologische Wiederherstellung und spezialisiertes Umweltmanagement gefördert werden kann.
Ähnliche Ansätze werden in Parks, Naturschutzgebieten und urbanen Landschaften in ganz Europa umgesetzt. Sie tragen dazu bei, heimische Arten zu schützen und gleichzeitig widerstandsfähigere Ökosysteme zu schaffen.
F: Was bleibt die größte Herausforderung?
Eine der größten Herausforderungen besteht darin, Wahrnehmungen zu verändern.
Stark gepflegte und perfekt gestaltete Grünflächen werden häufig als Ideal betrachtet, sind jedoch nicht immer die ökologisch wertvollsten Lösungen. In vielen Fällen entstehen stärkere Ökosysteme und eine größere Artenvielfalt, wenn Lebensräume sich natürlicher entwickeln können.
Die Gemeinschaften über diese Ansätze aufzuklären und ihren langfristigen Wert sichtbar zu machen, bleibt daher von entscheidender Bedeutung.
F: Wer inspiriert Sie?
Ohne zu zögern würde ich sagen: unsere Menschen.
Jeden Tag arbeiten Tausende Kolleginnen und Kollegen bei idverde mit Leidenschaft und Engagement daran, grünere und gesündere Lebensräume zu schaffen. Ihre Hingabe macht es möglich, unsere Mission umzusetzen.
Auf persönlicher Ebene bewundere ich seit jeher den Bergsteiger Reinhold Messner, dessen frühe Warnungen vor den Folgen des Klimawandels die Bedeutung des Schutzes unserer natürlichen Welt aufgezeigt haben – lange bevor dieses Thema Teil der öffentlichen Diskussion wurde.